“Es ist eine große Sache zu erkennen, was unsere tiefsten Sehnsüchte eigentlich sind” – Interview mit Orsolya Lelkes

In unserer Interview Reihe unterhalten wir uns mit Leuten, die (auch) lösungsfokussiert arbeiten. Sie sind unsere Lehrer, Kursteilnehmer und Freunde und erzählen darüber, wie sie die Brief Coaching Methodik in der alltäglichen Praxis nutzen. Im dritten Teil unserer Reihe antwortet Orsolya Lelkes  – Coach, Psychodrama Leiterin und Ökonom auf unsere Fragen

Wie bist Du der lösungsfokussierten (Solution Focused = SF)  Betrachtungsweise begegnet?

Über persönliche Empfehlungen. Ich habe von mehreren Dramatiker Kollegen gehört, dass ihnen dieses Training viel gegeben hat. Ich arbeite seit zehn Jahren als Beraterin, dadurch habe ich auch schon viele Fortbildungen besucht und auch die lösungsfokussierte Richtung aus meinen paartherapeutischen Studien gekannt.

Was für eine Veränderung hat Dir all das gebracht?

Ich achte viel mehr darauf, was der Spielraum ist, innerhalb dessen man sich bewegen kann. Es war sehr überzeugend, was ich über die Arbeit von Insoo Kim Berg und Steve de Shazer mit Familien gelesen habe. Drogenabhängigkeit, Polizeieinsätze, Missbrauch: sie schreiben über zahlreiche schwere Fälle. Dennoch starten sie nicht von dort aus, sie beginnen nicht die Fälle akribisch zu analysieren. Stattdessen fragen sie, was das gemeinsame Ziel ist, woran man arbeiten könnte. “Ihnen wäre es natürlich auch am liebsten, uns (das Jugendamt)  und die Polizei so schnell wie möglich loszuwerden. Was müssen wir dafür tun, damit das passiert?” Es ist fantastisch, dass es auch in scheinbar unlösbaren Fällen einen Spielraum gibt, in dem man sich weiterbewegen kann! Diese Richtung schlage ich auch in meiner Arbeit gerne ein.

Wie nutzt Du ihn? 

Verbunden mit dem Psychodrama: Bei der Arbeit mit dem Körper und mit den Empfindungen. Wir lassen die ersehnte Hoffnung räumlich und bildlich erscheinen. Manchmal verbringen wir eine ganze Einheit damit, über die Kraftressourcen des Kunden zu reden. Ich lege eine Tafel auf den Tisch und wir erstellen eine „Ressourcenkarte“ mit verschiedenen Figuren. Hier können alle erdenkbaren, mystischen oder spirituellen Wesen vorkommen, auch innere Eigenschaften, Gegenstände – alles, was hilft, unterstützt und Kraft gibt. Diese Kraftquellen bieten einen sicheren Hintergrund, der sogar in Situationen, in denen es jemandem nur noch ums pure überleben geht, hilft neue Handlungsmöglichkeiten zu finden.

Meine andere Lieblingsmethode ist das verwenden einer Skala, was ich bereits früher aus dem Drama kannte, aber jetzt noch ausgefeilter benutze. Ich setze auch diese gerne räumlich ein, sodass der Kunde den Weg tatsächlich zurücklegen muss und sich der gegangenen Schritte und Ergebnisse bewusst wird. Es ist ein sehr kraftvolles und tiefgreifendes Erlebnis zu erkennen, oh das ist es also, wonach ich mich seit langem sehne und so viel habe ich bereits dafür getan.

Tiefgreifend? Über SF sagt man gerade im Gegenteil, dass es auf der Oberfläche surft.

Ich denke es ist eine sehr tiefgreifende Sache zu entdecken, welche Vision man eigentlich hat und wohin dich dein Weg führt. Ich wecke gerne die Aufmerksamkeit meiner Klienten und Klientinnen bezüglich ihrer tiefsten Sehnsüchte, mit den Mitteln des Dramas: sich physisch ausdrücken und Emotionen mit einbringen. Ich rechne damit, dass nicht die erste Antwort die beste wird, weil die häufig oberflächlich ist und aus unserer Sozialisation kommt: ich will erfolgreicher und reicher werden. Aber werfen wir einen Blick dahinter. Warum eigentlich? Was steckt dahinter? In einem Raum, der Freiheiten zulässt, stellt sich meisten heraus, dass es etwas völlig anderes ist, als es auf den ersten Blick erscheint: zum Beispiel die Sehnsucht nach Akzeptanz, nach Liebe, nach Kreation und Wertschöpfung. Bei der Suche nach solchen Antworten ist es schön die Hebamme zu sein.

Kannst du ein Beispiel für lösungsfokussiertes Dahinterblicken nennen?

Ein Klient hat mich aufgesucht, weil seine Beziehung sehr schlecht lief und er herausfinden wollte, wie es weitergehen sollte. Er war unruhig, unzufrieden und ratlos. Wir haben angefangen zu ermitteln, wonach er sich tief in seinem Herzen wirklich sehnt. Er ist schließlich draufgekommen, dass sein Problem eigentlich ganz wo anders lag,  als er dachte. In Wahrheit wollte er sich nämlich beruflich verändern und seine Beziehung stellt eigentlich eine Kraftquelle für ihn dar, wenn er mit seiner Partnerin klar über seine Ziele und Bestrebungen sprechen kann. Er war überrascht, wie viel er bereits geschafft hat, wenn er die Sache so betrachtete. Sein inneres Bild hat sich verwandelt und somit auch seine Welt draußen. Er hat seinen frustrierenden Job als Kellner gekündigt und sich für eine Schulung für alternative Heilkunde angemeldet, was sein Herzenswunsch war. Seine Partnerin hat ihn in allem unterstützt. Sie musste er nicht verlassen, damit seine Welt heimeliger wurde. Im Gegenteil, sie konnten ihre Beziehung auf eine neue Ebene bringen, indem er seinen Wunsch verwirklichen konnte.

Wie verbindest du SF mit den anderen Methoden, die du verwendest?

Ich beobachte laufend, was funktioniert und ich experimentiere. Mir ist am wichtigsten eine gute Verbindung zu Kunden und Kundinnen zu haben und dafür nutze ich viele Mittel. Ich habe viel Schwung, nach dem Motto „Wow, machen wir’s!”. Ich traue mich zu träumen und Risiken einzugehen, aber es ist sehr wichtig, dass mein Rhythmus sich dabei dem des Kunden anpasst. Ich beginne meistens mit SF Fragen, aber manchmal funktionieren sie nicht und werden mit Unverständnis empfangen. Manchen ist es sehr wichtig über das Problem reden zu können und sie können oder wollen ihren Spielraum noch nicht finden. Das kann auch bedeuten, dass die Person nie Anerkennung bekommen hat und leidet. Dann höre ich ihr zu und bin auch auf das Problem neugierig. Ich starte von dort aus, wo sie sich befinden, von wo aus sie starten wollen.

Je nachdem wo die Klient/Innen also gerade stehen, achtest Du mal auf das Problem, mal auf die Lösung?

Ich würde eher sagen, dass ich mir das Problem anhöre, aber mit einem SF-Ohr: Ich höre das was funktioniert, was der andere bereits getan hat. Und vor allem erkenne ich an, dass die gegebene Situation nicht zufällig so ist, wie sie ist. Bei dem, was die Person zustande gebracht hat, hat sie bereits alles in ihrer Macht stehende getan. Nur hat sie vielleicht bisher bewährte Methoden in einer neuen Situation angewandt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Problem durch Verbundenheit eine ganz andere Qualität bekommt. Und das bietet ein Modell dafür, was für ein Verhältnis der/die Klient/In zu sich selbst hat: Wenn ich die jemanden samt seiner Schwierigkeiten akzeptiere und das feiere, was er getan hat und tun möchte, dann wird er das mit sich selbst auch leichter tun können.

Gleichzeitig denke ich, dass es schwierig ist, aus Defiziten und dem Fokus auf Mängel Kraft zu schöpfen und weiterzuziehen. Aber manchmal befinden sich Klient/Innen in einem Käfig und wollen auch dort bleiben. Sie wollen dort lediglich atmen können oder sich darin strecken können. Es gibt Situationen, in denen es (noch) zu gewagt wäre, die Tür Richtung Möglichkeiten zu öffnen. Meine Verbindung zu Klienten bedeutet, dass ich nichts anderes will, als sie: Nicht meine Vision bestimmt, wohin man gehen muss. Wenn wir beim Käfig bleiben, kann ich fragen, wie sie das schaffen hier auch genügen Nahrung zum Überleben zu bekommen. So starten wir dort und schreiten in einem Tempo voran, das ihnen gut tut.

Wo siehst du in deinen wildesten Träumen noch so eine SF Herangehensweise?

Zum Beispiel im Zusammenhang mit grünen Fragen! Ich sehe, dass es im Kreis der Aktivisten und politisch aktiven Menschen eine ausgeprägte „Ende der Welt Narrative“ gibt, in der es darum geht, dass wir nichts gegen die globale Erwärmung tun können, und das was wir tun kaum Auswirkungen hat. Ich habe solche Gespräche schon geleitet und es hat sich immer herausgestellt, dass es nützlich und erbaulich ist darauf zu fokussieren, was bereits getan wurde, bzw. was man noch tun kann: z.B. wie man statt „nein“ „ja“ sagen kann und statt den Einwänden etwas aktiv zustande bringen kann.

Vielleicht stammt es auch aus der SF Ansicht, dass ich hier in Österreich begann die „Inseln der Hoffnung“ zu entdecken: Gruppen und Initiativen, die zu bestimmten Problemen und Krisensymptomen Lösungen anbieten. Da gibt es z.B. Christian Felber, der die „Wirtschaft des Allgemeinwohls“ erfunden hat: Eine Methode, mit der man den Beitrag der Unternehmen zum Allgemeinwohl messen und veröffentlichen kann. Mehrere hundert Unternehmen haben sich dieser Initiative bereits freiwillig angeschlossen und das verbreitet sich europaweit immer mehr, in Österreich, Deutschland, der Schweiz, sogar in Amerika. Es gibt die Sharing Economy mit vielen Initiativen und Gruppen, wo die Mitglieder ihre Fähigkeiten und ihr Wissen teilen und geldfrei Werte erschaffen: Nachbarschaftshilfe, Sachverleih, gemeinschaftliche Stadtgärtnerei, die Foordsharing Bewegung, die Unmengen an Lebensmittel verteilen, die ansonsten im Abfall landen würden. Dann gibt es Leute, die alte Geräte oder Gegenstände gemeinsam reparieren, oder ihnen durch Kunst neues Leben einhauchen. Es gibt gemeinschaftsbildende Initiativen, wie z.B. Co-Housing, die die Vorteile einer ländlichen Gemeinschaft in der Stadt genießen möchte. Sie schauen sich an, was die gemeinsame Zukunft ist, die sich eine bestimmte Gruppe wünscht, und erschaffen sich das dafür Nötige dann selbst, inbegriffen der Erschaffung des gemeinsamen Lebensraums und einer gemeinsamen Lebensform.

Du arbeitest also mit Individuen, Paaren, Familien, Gruppen, ganzen Gemeinschaften und auch mit der globalen Erwärmung. Deine Tätigkeiten sind sehr weit gefächert!

Früher habe ich mir auch Sorgen gemacht: ich hatte das in mir unterteilt, dass ich mit Individuen und mit Gruppen arbeite. Als Ökonomin denke ich jedoch eher auf gemeinschaftlicher Ebene. Ich hatte das Gefühl, dass das zwei unterschiedliche Welten sind und es meine Authentizität in einer dieser Welten vermindern würde, wenn ich über die andere spräche. Dann bin ich aber drauf gekommen – und der SF hatte eine wichtige Rolle dabei – dass man die beiden überhaupt nicht trennen muss und es meine Aufgabe ist die beiden auch in der Praxis zu vereinen. Denn es wird keine Veränderung auf der gesellschaftlichen Ebene geben, wenn es keine auf individueller Ebene gibt. Wir müssen einsehen, dass wir individuell nicht so klein sind, wie wir denken. Unsere Handlungen haben sehr wohl Konsequenzen auf gemeinschaftlicher und globaler Ebene.

Das ist für mich jetzt das spannendste Thema! Ich arbeite auch an einem Buch, das gerade darauf fokussiert, wie man vom individuellen eigennützigen Hedonismus zu einem vernünftigen Gemeinschaftsleben gelangen kann. Ich denke, dass die „Inseln der Hoffnung“ demonstrieren, dass es bereits eine Veränderung gibt. Wir haben begriffen, dass es eine Sackgasse ist nur kurzfristige Freuden zu suchen. Wir werden davon oft nur ausgemergelt und abhängig, wir isolieren uns und brauchen auch noch unsere Kraftressourcen auf. Individuum und Gemeinschaft existiert notwendigerweise zusammen. Meine Erfahrung ist, dass je tiefer wir in Gruppenarbeiten gehen, umso mehr erkennen wir uns auch selbst und entdecken all das, was wir gemeinsam haben. Und umgekehrt stimmt das auch: Individuelle Ziele definieren sich auch über Veränderungen in Beziehungen und Gemeinschaften.

Wir beginnen gemeinsam neue Geschichten über das „gute Leben“ zu erschaffen, wo gleichzeitig die Erfüllung des Individuums und das unterstützende Dasein in menschlichen Beziehungen vorhanden sind. Wir erträumen uns selbst auf eine neue Weise und sehen, dass wir uns danach sehnen zu einer guten Gemeinschaft dazuzugehören, weil wir gemeinsam weiter kommen, als alleine. Ich möchte bei dieser Sehnsucht unterstützen.

Quelle: Solution Surfers Ungarn (auf ungarisch)

The space in between

At certain times in life, we feel that things are out of control. We have done all what we could, and yet, there is silence, there is no response, there is no awaited event or meeting or clear direction. We are waiting.

These spaces in-between tend to make up most of our life time, most of our being. Like the space between particles, or the space between the atoms, or the space between celestial bodies in the universe. Without space, no material would exist. These spaces, these waiting times are inherent part of our lives. They may feel like a vacuum, they may feel painful, but there is an immense freedom in them – as they are not filled with the “usual” stuff. We need to honour them, as we honour ourselves. We need to let go of wanting to control or wanting to fill this space. We need to be able to stay calmly in this freedom of emptiness, the freedom of not knowing yet. Our true freedom is to be at peace in these empty spaces. These spaces in between make us able to transform, to take a leap, to enter a new phase in our lives. Trusting and being and being well in ourselves is the best we can do.  Just like a mother expecting a baby, one cannot rush, just honour the growth of (yet invisible) life inside. Be well in your space in-between! You are not “only” waiting, you are already living. This is your life.

 

 

 

What is your logo?

What is your logo? What is your symbol, which truly expresses who you are now?

Mine was born partly out of my name: I love to sign my letters to close friends with a simple “O”. “O”, because of its shape, showing completeness, a circle which bonds individual dots, and because of the spaciousness in the middle. I always liked to ponder the beauty of the shape and appreciated that it was given to me as my initial. It led me to the “enso” sign in Zen Buddhism. The circle is hand drawn, and the brushstroke continues in space, entering a new dimension. A circle, which is also a spiral. Complete, whole, but still somewhat irregular, truly human in its implementation. Sacred imperfection, artistic and artful, ever rising.

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